Wochenausblick:
Spannende Handelswoche
Sich den Optimismus zu bewahren, fällt Ihnen dieser Tage nicht leicht
Die Flut von Hiobsbotschaften und Horrormeldungen ist kaum zu verkraften. Ein Ende der schweren Krise der Banken ist noch immer nicht in Sicht. Überhastete Rettungsaktionen der Regierungen treiben Defizite gefährlich hoch. Selbst in Europa schließen Ökonomen Staatsbankrotte nicht mehr aus.
Dem schwierigen konjunkturellen Umfeld können wir uns nicht entziehen. Es wäre jedoch verkehrt, wegen der schlechten Nachrichtenlage zu kapitulieren. Wer nur noch schwarz sieht, kann gravierende Fehlentscheidungen treffen. Die aber kosten viel Geld, wenn es doch besser kommt als erwartet. Dennoch:
Niemand kann derzeit mit Gewissheit ausschließen, dass alles noch viel schlimmer wird als vorstellbar. So verwies kürzlich das Handelsblatt auf den folgenden Rat eines namentlich nicht genannten Finanzprofis: Alle Wertpapiere sofort verkaufen und stattdessen Gold, Bargeld, Lebensmittel und Medikamente horten! Ich meine: Wer jede Zuversicht verloren hat, kann sich auch gleich die Kugel geben. Bedenken Sie:
Die Wirtschaft in Deutschland ist grundsätzlich robust. Die meisten Unternehmen sind gut aufgestellt. Dem Einbruch werden wieder bessere Zeiten folgen. Die Zahl der Arbeitslosen dürfte begrenzt bleiben. Zudem: Schon in einigen Monaten sollte die lockere Geldpolitik der Notenbanken für Entlastung sorgen. Drei Quartale dauert es erfahrungsgemäß, bis sinkende Rohölpreise die Wirtschaftstätigkeit spürbar beleben. Das alles sollte doch dazu beitragen, den Absturz ins Bodenlose zu verhindern.
Die Realwirtschaft ist für sich selbst betrachtet gesund. Übertreibungen hat es im Finanzsektor gegeben. Als die Spekulationsblasen platzten, waren die Banken plötzlich unzureichend mit Eigenkapital ausgestattet. Da keine Bank mehr der anderen traut, steht die Weltwirtschaft jetzt vor einem Liquiditätsproblem.
Immer mehr Staaten sehen sich deshalb gezwungen, aufgrund der Krise neue Schulden zu machen. Das wird - mit unterschiedlichen Auswirkungen - zum Test für die Stabilität von Staaten und Währungen. Dabei steht Deutschland noch relativ gut da. Finster sieht es dagegen etwa in Großbritannien aus. Denn: Die erforderlichen Maßnahmen zur Rettung des Bankensystems könnten das Land in die Pleite treiben.
Wo sich solche Risiken abzeichnen, besteht Handlungsbedarf. Vermeiden Sie Länderrisiken dieser Art. Wiederholt habe ich Ihnen geraten, mit dem Schwerpunkt Ihres Vermögens im Euro-Raum zu bleiben. Selbst wenn der Euro zur Schwäche tendiert, bleibt Ihnen so die Kaufkraft im Wesentlichen erhalten. Bei allen Investitionen in Fremdwährungen handeln Sie sich dagegen ein Wechselkursrisiko ein.
Die Probleme in Großbritannien haben das Pfund gegenüber anderen Währungen auf Talfahrt geschickt. Was blüht, wenn Staaten in Zahlungsschwierigkeiten geraten, kennen wir bereits aus Schwellenländern. So konnte Argentinien Schuldzinsen nicht bedienen. Alle Staatsanleihen verloren erheblich an Wert. Anlagen in Staaten mit angeschlagener Bonität sollten Sie deshalb tunlichst meiden. (Der Deutsche Wirtschaftsbrief 04/2009)
Der Wochenauftakt brachte bereits die ersten News.
In Japan ist der Tankan-Bericht veröffentlicht worden. Am
Nachmittag folgen aus den USA der NY Empire State Index, die Angaben
zu den Kapitalmarktzuflüssen und zur Industrieproduktion sowie
Angaben zur Kapazitätsauslastung.
Der Dienstag steht dann ganz im Schatten der
amerikanischen Notenbanksitzung. Erwartet wird eine weitere
Zinssenkung. Diese dürfte dann den Euro weiter kräftigen. Doch
auch die Zahlen zum Verkauf neuer Häuser, zu den Verbraucherpreisen
sowie zu den Realeinkommen werden genauso erwartet, wie die
Quartalsergebnisse von Adobe Systems und Best Buy.
Zur Wochenmitte gibt es aus den USA die Öl-Lagerbestände.
Ferner gewähren Norddeutsche Affinerie, General Mills und Nike
einen Einblick in die Bücher.
Der Donnerstag wird dann neben dem ifo-Geschäftsklimaindex
auch noch Wirtschaftsnachrichten in Form von den US-Erstanträgen
auf Arbeitslosenhilfe, des Philadelphia Fed Index und der Frühindikatoren
bringen. Die Vierteljahresergebnisse von Oracle und FedEx dürften
auch Auswirkungen auf die Papiere der Mitbewerber hierzulande haben.
Am Freitag wird noch immer keine vorweihnachtliche
Ruhe einkehren. Mit dem dreifachen Hexensabbat könnte es vielmehr
zu deutlichen Sonderbewegungen kommen. Zusätzlich stehen die
Erzeugerpreise hierzulande auf der Agenda.